Biographie

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Der Werdegang von Yves Descloux ist reichlich ungewöhnlich: er wurde als Kind eines schweizerischen Vaters und einer algerisch-französischen Mutter 1962 in Genf geboren. Dort wuchs er auf, machte sein Abitur, und entschloss sich zunächst zu einer Tischlerlehre. Von Genf führten ihn häufige Abstecher zu einem Cousin nach Avignon, der Geigen baute. Yves merkte, dass er auf dem Holzweg war. In Avignon fand er zu seiner Bestimmung. Die Musik war ihm ohnehin in die Wiege gelegt. Sein Vater war Gitarrist und Yves spielte schon als Kind Querflöte und Tenor-Saxophon. Als Amateur-Jazzmusiker gründete er verschiedene Formationen, aber seltsamerweise erlebte er gerade mit seinen Kontrabassisten Probleme, die immer wieder ausfielen. So oft, dass er beschloss, um dieses Problem zu beheben, selbst Kontrabass spielen zu lernen; der letzte Bassist seines Ensembles wurde sein Mentor (sein „Dompteur“, wie Yves’ Sohn meint).

Eines Tages brachte man ihm einen kaputten, in zahllose Einzelteile zerlegten Kontrabass, den er mit großem Vergnügen wieder zusammenbaute. Daraus entstand der Wunsch, einen eigenen zu bauen – von Grund auf. Der Weg vom professionellen kontrabassspielenden Tischler zum professionellen Geigenbauer vollzog sich über eine vierjährige Lehrzeit in der legendären Werkstatt von Jacques Fustier in Lyon. Ein Freund, der Geiger Raphaël Oleg, stellte ihn dort vor. Fustier war beeindruckt von einem ungewöhnlichen Möbel aus Yves’ Kreation und hielt ihn der Initiation für würdig. Das war 2002. Yves fand in Jacques Fustier, der wenig Schüler hatte, mehr als einen Meister im Handwerk.

Sein erster Kontrabass – vollendet im Juni 2004 – fand in die Hände von Vincent Pasquier, Solist im Orchestre de Paris, der ihn – sehr begeistert – bei einem umjubelten Konzert mit Laurent Korcia, Michel Portal und Jean-François Heisser in Arles spielte. Sein nächstes Instrument wurde von Valérie Petite, Kontrabassistin aus dem Orchestre National de Bordeaux-Aquitaine, erworben.

Steven Zlomke, Solo-Kontrabassist des Orchestre de la Suisse Romande, schrieb vor kurzem über einen 5-saitigen Kontrabass von Yves: „Das Instrument zeigte sich flexibel und ausdrucksstark, obwohl es zu diesem Zeitpunkt erst einen Monat alt war. Es ist geschmeidig – selbst im forte – mit einer reichen Palette von Artikulationsmöglichkeiten und Farben. Ich kann es als erstklassiges Instrument nur empfehlen.“ (15. Februar 2007).

Heute, fast zehn Jahre später, hat Yves über 40 Instrumente gebaut (13 Geigen, 12 Bratschen, 4 Celli und 12 Kontrabässe), die von professionellen Musikern in Orchestern in Zürich, München, Bordeaux, Toulon, Pays de la Loire, von Lehrern und Professoren aus Konservatorien und Hochschulen (Dijon, Paris und Region, Deutschland) und Studenten in Europa (Frankreich, Deutschland, Schweiz, Belgien) gespielt werden. Seine Instrumente zeichnen sich durch einen für ihn typischen Charakter aus, der die Frucht intensiver Recherche ist: strahlend und facettenreich bei den Geigen, farbig und satt in der Tiefe bei den Bratschen, homogen und sonor bei den Celli und Kontrabässen. Jedes Instrument ist das Ergebnis höchster Sorgfalt, abgestimmt auf die Wünsche und Bedürfnisse des Auftraggebers.

Nach einigen Jahren auf einem Hausboot in Avignon, hat sich Yves vor kurzem an den Ufern der Garonne eingerichtet. Dort baut er seine Instrumente in einer Werkstatt, die zu einem kleinen und feinen, sich gegenseitig beflügelnden Kollektiv von Instrumentenbauern gehört, die sich mit der Musikalienhandlung „Croquesnotes“ unter dem Label O’Notes zusammengeschlossen haben.

 

Vincent Pasquier, Michel Portal und Laurent Korcia (von rechts nach links)